Deine Augen


Da bist Du nun.

Jemand hat Dir von der Weltseele berichtet und Dir gesagt, dass es hier Antworten gibt.
Oder hast Du gar nach mir gesucht ? Hier kommt nicht oft jemand vorbei musst Du wissen.

Du wirst das wahre Murias gewiss nicht hier finden. Das wahre Murias liegt in der Anderswelt,
keinen noch so winzigen Schritt von hier entfernt aber doch so weit weg.

Du suchst nach Antworten und hoffst sie hier zu bekommen, doch letztlich kann ich Dir nicht mehr sagen,
als Du wahrscheinlich ohnehin schon wusstest nachdem Du heute morgen aufgestanden bist.
Finde Dich damit ab, dass Wahrheiten meist so einfach sind, dass sie auf der Hand liegen. Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht und denkt Wahrheit müsse etwas ganz absonderliches sein.

Verzeih mir mein Lachen aber Wunder, Wissen, Weisheiten, was erwartest Du ?

Warum hast du überhaupt angefangen zu suchen ?

Ich hinterlasse dies hier als mein Vermächtnis für Dich und die wenigen anderen, die herfinden werden.
Und ich werde es kurz machen.

Zu denjenigen unter Euch, die schon angekommen sind, möchte ich nicht sprechen.
Ihr benötigt keinen Wegweiser mehr.

Nun ... Du findest Murias nicht weil Du verwirrt bist.

Verwirrt nicht von dem, was ich sage. Nein, Du bist generell verwirrt.

Du bist verwirrt, weil du die Welt durch Deine Augen siehst, von Deinem Standpunkt aus, Deiner Perspektive.
Du bist verwirrt, weil die Welt Dich umgibt und Du eine besondere Position in ihr einnimmst.
Nein, ich meine nicht damit, dass du besonders egoistisch bist.
Deine Position ist einfach deswegen etwas besonderes weil sie die Deine ist.
Deine ! Die Einzige, die Du in deinem Leben haben wirst. Sie ist so besonders wie die Position all der anderen Menschen auf der Welt, die nur diese Eine haben werden.
Du kannst gar nicht anders als es so zu sehen, deswegen bist du verwirrt.

Es ist eine Kunst über den eigenen Schatten springen zu können. Damit meine ich nicht gegen den Strom zu schwimmen, sondern eher nebenher.
Dem Treiben der Welt von außen zusehen zu können und Deine so besondere Position darin.

Die Anderswelt zu betreten und Murias zu finden, bedeutet einen Perspektivenwechsel zu vollziehen, mehr nicht.
Da ist nicht mehr, nur die Perspektive wechseln.

Wenn du den Dingen von außen zusiehst, dann ist da kein Unterschied mehr zwischen deiner Position, "Dir", und dem Rest.
Kein Unterschied mehr ...

Der Unterschied existiert nur in Deinem Kopf, deinem Denken, jahrelang geschult, weil Du die Welt nur durch deine Augen betrachtet hast.
Die Welt, die Dich umgibt, die etwas Anderes zu sein scheint, als Du selbst.

Du hast Dich von ihr im Geiste getrennt, obgleich sie immer Eins mit Dir war.

Da ist kein Unterschied zwischen der Schöpfung, dem Erschaffenden und Dir.
Das allein schon diese Begriffe für Dich einen Sinn ergeben verdankst du deinem Geist, deinem "Selbst", und den Kategorien in denen Du denkst.

Die Welt so wie Du sie wahrnimmst ist eine Projektion deiner Sicht, mehr nicht.
Und Du fühlst Dich in dieser Wahrnehmung bestätigt, weil Du sie gleichsam mit den anderen Verwirrten teilst. Denn sie haben Dir gesagt, wie Du das, was Du wahrnimmst zu deuten hast.
Sie haben es Dir gesagt, als Du ein Kind warst, als Du in die Schule gegangen bist, deine Eltern, deine Lehrer, deine Freunde. Sie haben Dich "sozialisiert", gleichgeschaltet, synchronisiert, wie immer Du es nennen magst. Sie haben es dir anerzogen.

Aber sie haben Dich damit nur verwirrt, von der Wirklichkeit getrennt, damit Du in Ihrer, in Deiner Gesellschaft funktionierst.

Murias liegt in der Anderswelt. Dort wo man hinblickt, wenn man die Perspektive gewechselt hat.
Du musst Dich dafür nicht einmal einen Schritt bewegen.

Murias


Diese Stadt existiert vom Anbeginn der Zeiten, denn sie musste nie erbaut werden.

Alle Dinge in Deiner Welt, alles was Du und deine Mitmenschen sich vorstellen, oder auch nicht vorstellen können, existiert in Zahl, Form und Idee auch ohne jemals real zu werden.
Real ist das, was Ihr erschaffen nennt, was Bestandteil der Schöpfung ist, so wie Ihr sie kennt. Für Euch spielt das Werden eine große Rolle, hier hat es keinerlei Bedeutung.

Wirklichkeit ist etwas anderes. In der Wirklichkeit existieren alle denkbaren Dinge und Gewohnheiten als Möglichkeiten ohne Zeit und Ort.

Möglichkeiten können sich widersprechen, gänzlichst gegensätzlich sein, oder wunderbar harmonieren und sich ergänzen.
So kann nicht jede beliebige Welt existieren, denn was nicht harmoniert wird eher zerfallen als Bestand zu haben.

Deine Realität, Eure Welt, beinhaltet eine Auswahl aus all diesen Möglichkeiten, die so gut zusammenpasst, dass sie ein widerspruchsfreies Bild ergibt.
So widerspruchsfrei, dass Ihr Regeln aus dem Wechselspiel ableitet, die Ihr Naturgesetze nennt und dabei vergessen habt, dass all dies auf dem Wesen der Weltseele basiert, Realitäten widerspruchsfrei in Harmonie zu entwickeln.

Du, jeder Mensch, Tier, Pflanze, jeder Stein, jede Welle, jeder Lufthauch sind Teile dieser Auswahl an Möglichkeiten, die von der Weltseele beeinflusst werden.

Hier in Murias existiert dieser Einfluss nicht. Hier schaue ich auf die Realitäten, die sich entlang der Widerspruchsfreiheit entwickeln. Welten von denen eine die Deine ist. Dieser Ort hier, wird nur von meinem Willen erhalten, sonst ist hier alles im Fluss und eher zufällig, wie in Deinen Träumen mein Freund.
Murias ist ein Ort in der Anderswelt, dort wo man das Wesen der Dinge sehen kann, die eine Wirklichkeit.

Deine Welt ist zufällig so, wie sie ist, aber es ist kein Zufall, dass sie so geworden ist.
Sie ist wie eine Eisblume, beschränkt auf ein Fenster und vergänglich, sich ständig verfeinernd, filigran, von wunderbarer Symetrie und Harmonie. Jede sieht anders aus, und ist doch nicht minder wundervoll.

Gewohnheiten


Immer wenn Dinge widerspruchsfrei entstehen oder sich widerspruchsfrei verhalten sprichst Du von Gewohnheiten. Eine Gewohnheit ist etwas, was sich wiederholt und je sicherer diese Wiederholung eintritt um so eher wirst Du es Regel oder Gesetz nennen.

Würde es solche Regeln und Gewohnheiten nicht geben, wäre da keine Beständigkeit im Verhalten. Alles wäre chaotisch, mal so, mal so, und keinerlei Harmonie ergäbe sich.
So ist es hier in der Anderswelt. Das wirkliche Wesen hier kennt diese Art der Stabilität nicht und kommt Dir zwangsläufig verworren vor. Dein Geist sucht nach Ordnung, weil Du es nicht anders gewohnt bist.
Dies ist, was Dir klarmacht ob Du wach bist oder träumst. Es ist der einzige und entscheidende Unterschied.

Traum


Deine Realität ist widerspruchsfrei und liefert Dir eine widerspruchsfreie Geschichte, in der Du eine Entwicklung beobachten kannst, eine Kontinuität ohne Brüche, eine Aneinanderreihung von individuellen Erinnerungen, die Dir sagen wer Du bist.

Der Traum scheint aus Fragmenten zu bestehen, die oftmals nichts miteinander zu tun haben. Elemente die wie Einzelbilder an Dir vorbeiziehen und Dich beunruhigen, weil dieses Erleben so ganz anders ist. So anders, weil es die Erinnerungen, Intuitionen und kreativen Konstrukte aller Zeiten sind, auf die Du einen Blick erhaschst.

Weltseele


Die Weltseele ist das "lebendige", das vitale Prinzip, das allen Dingen in der Schöpfung innewohnt.

Wenn Du Deine Welt beobachtest und feststellst, dass Dinge sich verändern, bewegen, neue Strukturen bilden und aufgeben, wachsen, atmen, fortpflanzen, dann sind all das Auswirkungen dieses lebendigen Prinzips.

Weltseele ist nichts, was in einem anderen Raum oder einer anderen, nicht fassbaren Dimension existiert.
Sie wohnt den Dingen inne, weil Deine Realität Gewohnheiten folgt.
Man muss ihre Existenz nicht beweisen, denn sie bildet alles Existierende und dessen Veränderung selbst ab.

Wer akzeptiert, dass Dinge existieren und sich verändern, akzeptiert die Weltseele, egal wie er es ansonsten nennt, oder genannt hat.
Insofern glaubt man nicht an ihre Existenz, sondern man ist sich ihrer wenigstens im gleichen Maße bewusst, wie man sich der Existenz materieller Dinge bewusst ist.

Verwirrung


Wenn du immer noch meinst, die Weltseele sei etwas woran man glauben müsse, dann frage dich, worin nun noch der Unterschied besteht, zwischen glauben und wissen.
Glaubst Du, was Du siehst und anfassen kannst ? Wie es sich anfühlt in deinen Händen, es atmet, wie alles was geschaffen wurde vergeht ? Weißt Du, dass es real ist ? Weißt Du, dass es lebendig, beseelt ist ? Weißt Du wo Du die Grenze ziehst ? Wo das Embryo beginnt zu träumen, das Kind zu handeln, sich seiner selbst bewusst wird ? Weißt Du, dass ein Stein nur ein Stein ist, weniger als ein Grashalm, eine Zelle, dass er nicht träumt ?

Die Weltseele ist, weil sie als Prinzip welches widersprüchliches vermeidet, nie geschaffen werden musste. Da ist kein tieferer Sinn denn unser Dasein ist eine Möglichkeit von Vielen und das Ausrichten an diesem Prinzip eine Notwendigkeit, die einer stabilen Existenz, dem Sein selbst zwingend anhaften muss.

Naturgesetze sind Teil des Ausdrucks dieses Prinzips. Sie ergeben sich als eine mögliche sinnvolle Zusammenstellung von Wechselwirkungen ohne das Prinzip der Widerspruchslosigkeit zu verletzen.

Du fragst wo da der Sinn bleibt ? Der Sinn deiner Existenz ?
Frage Dich nach dem Sinn für wen oder was !

Sinn ist nie Selbstzweck und wenn die ganze Schöpfung nur Sinn für das Ganze macht, so ist auch dies auf dieser Ebene Selbstzweck. Dein Wunsch, dass es einen solchen Sinn geben möge ist ein ehrliches Bekenntnis, und spiegelt deinen Willen zu leben und deine Sicht, deine Perspektive wieder.
Aber du wirst diesen Sinn nicht einmal im Tode erfahren, eigentlich gerade dort erst recht nicht.

Du wirst im Tod nichts erfahren , was Du nicht auch schon vorher erfahren hast.
Es ist eher schade, dass die meisten Menschen nicht versuchen es zu Lebzeiten zu erfahren, denn ich weiß, dass sie es könnten. Zu erfahren was wirklich ist.

Dass Menschen die Wirklichkeit nicht erfahren liegt in erster Linie daran, dass sie eine andere Vorstellung davon haben, was man erfahren kann. Sie sind geleitet von Wunschvorstellungen und versuchen meist in irgendeiner Weise am eigenen Fortbestehen festzuhalten. Daraus folgt das Hoffen und Glauben an Heilsversprechungen.

Wenn man in dieser Art am "Ich" festhällt, ist man so gut wie blind für das Ganze. Man trennt die Welt in viele kleine Dualitäten auf, "ich und er Rest", "Gott und die Schöpfung", "Gut und Böse", "hier und da".
Und kaum jemand ist sich bewusst, dass das alles Dinge sind, die nur relevant sind, solange man eine Perspektive eine bestimmte Sicht oder Position einnimmt. Aber die Konsequenz eines solchen Weltbildes ist nicht wirklich Widerspruchsfrei.
Perspektive nimmt nur ein, wer sich bewusst von der Welt trennt. Sie ist nicht vor dem Leben, nicht nach dem Tod, nicht im Unbewussten.

Erkenntnis


Nun möchtest Du wissen, wie Du die Sichtweise ändern kannst.

Wenn Du das Ganze sehen willst, musst Du zurücktreten.

Du musst lernen die Welt von "Außen" zu betrachten und Dich im Verhältnis zu dem Rest zu sehen, den Du bislang von Dir trennst.
Ja du bist Teil dieser Welt und das ist auch gut so, denn nur so kannst Du mir gerade zuhören, können wir miteinander umgehen und die Schöpfung weiterentwickeln, Geschichte fortführen.
Die Schöpfung ist ein Wechselspiel unzähliger Perspektiven, wenn Du es so sehen magst.

Tatsächlich gibt es dieses "Außen" von dem aus du alles betrachten solltest nicht. Es ist keine Sicht die mit deinen Augen geschieht, sondern eine Veränderung Deines Verständnisses für das Zusammenwirken und die Bedeutung der Dinge, ein Auflösen von Widersprüchen

Beobachte Dich tagsüber, schau Dir zu, denke darüber nach was du tust, wann immer es Dir möglich ist.
Wie Du es tust,
was Du dabei fühlst,
wie Du auf Mitmenschen reagierst.
Tu als wärest Du, also nun der, den Du beobachtest, jemand anderes.
Wenn Du das eine zeitlang machst, normalerweise mit wachsendem Erfolg, wirst Du etwas feststellen.
Du wirst zunehmend ausgeglichener.
Wenn Dich jemand zu verärgern versucht, wirst Du dich weniger aufregen, denn er geht nicht Dich an, sondern den, den du beobachtest.
Du wirst immer mehr agieren und weniger reagieren.
Betrachte es als Deine Innere Ruhe, die wie von selbst wächst.
Du gewinnst tatsächlich Abstand und betrachtest die Dinge mehr von Außen.

Das ist der einfachste Einstieg, das erste Tor in die Anderswelt welches Du finden magst.
Du wirst mit wachsendem Abstand eine neue Einstellung zu Vielem bekommen.
Vieles wird Dir lebendiger erscheinen, was Du vorher mit Automatismen verglichen hättest.
Später wirst Du eine andere Einstellung zum Träumen bekommen und unwillkürlich zu der Zeit vor der Geburt, und nach dem Ableben.
Du wirst das, was du beobachtest als Sonderfall sehen und die Gesamtheit als das Normale. Du wirst immer mehr dazu übergehen zu denken, dass all das , was du beobachtest, die gesamte Schöpfung letztlich dazu da ist, belebt zu sein um Geschichte zu schreiben und Entwicklung zu betreiben.
Lauter interagierende Individuen, die das nicht könnten, wenn sie nur ein passives Ganzes wären dessen Teil sie aber sind. Du wirst feststellen, dass es die Schöpfung ist , die sich selbst entwickelt. Nicht nach reinem Zufall, denn dort gibt es in der Tat Regeln, die alle in ihrer Auswahl dem Ziel dienen, ein widerspruchsfreies Ganzes zu sein.
Die Harmonie, die genau in dieser Feststellung zum Ausdruck kommt, wird Dir als so überwältigend erscheinen, dass Du, als Teil davon, Dich alles andere als einsam oder sinnlos fühlst.

Da ist keine Grenze mehr zwischen "Dir" und dem "Rest". Das hat Dir nur Deine Perspektive gesagt, solange du sie genutzt hast.

...



Semias